WortBilder

Wir sehen immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit scharf. Der Rest ist ausgeblendet. Diesen neurobiologischen Befund hat die Kunst bisher gänzlich ignoriert. Wenn wir eine Landschaft sehen, dann sehen wir einen Baum, vielleicht nur Blätter, eine Straße und dort eine Blume am Wegesrand. Der Rest verschwimmt in der Unbedeutung und wird vom Gehirn als Information unterdrückt. Eine Landschaft so zu zeigen, wie wir sie sehen bedeutet daher, das Herausstechende, Aufmerksamkeit erheischende darzustellen und den Rest im Nebel des Unwichtigen verschwinden zu lassen.

Und zu jedem Bild formt sich im Gehirn ein Wort, ein Satz,
eine Geschichte.

Gehirnspuren

 

Ich schlage ein Buch auf

oder lese die Zeitung

oder geht durch die Straßen

und lese die Plakate.

 

Lese ich ganze Sätze?

einzelne Worte?

Begriffe?

Und was behalte ich davon?

Eine Geschichte

einen Eindruck

Erinnerungsfetzen

 

Und wie lange bemüht sich mein Gehirn,

an den Worten festzuhalten?

Satz

 

Meine Augen tanzen durch die Straßen.

 

Das ist ein Satz.

Ein Satz hat Subjekt, Prädikat, Objekt.

Ein Satz ist eine Verknüpfung von Worten zu neuem Sinn.

Mehr als die einfache Summe der Bedeutungen

der einzelnen Worte.

 

MEINE AUGEN sind nicht irgendwelche Augen,

zum Beispiel.

 

Und sie tanzen.

Das ist sicher ungewöhnlich, weil Augen eigentlich nicht tanzen.

Dieses Prädikat verleiht ihnen Bewegung und Rhythmus und Fröhlichkeit,

falls es nicht grade ein Tango ist, die sie tanzen.

 

Sie stoßen mit einem Plakat zusammen,

kommen aus dem Takt

saugen die Botschaft auf:

TEST THE WEST!

Beobachtungen I

 

Meine Augen tanzen durch die Straßen.

Menschen, immer wieder Menschen,

das sind die interessanten Dinge um mich herum.

Ich bin darauf gepolt, Menschen zu beobachten.

Sind sie mir feindlich gesinnt?

Kann ich sie als Freunde gewinnen?

Weichen sie mir aus, wenn ich wie ein Blinder stur meine Spur halte?

Was lese ich in ihnen.

Oh, es ist einfacher ein Nummernschild zu lesen

 

Vernetzt

Noch einmal diesen Satz:

„Meine Augen tanzen durch die Straßen.“

 

Jedes Wort hat einen eigenen Sinn

Und jedes Wort bekommt einen zusätzlichen Sinn,

weil es sich zusammenfindet mit anderen Worten.

 

In meinem Gehirn hat jedes Wort tausend Bedeutungen

weil es mit tausend anderen Worten verknüpft ist:

 

Augen:

Menschenaugen, Fettaugen, Wimpern, Augenwischerei, augenscheinlich

Hühneraugen in Hühnern, Hühneraugen an Füßen,

Pupille, Tränen, Sehgewohnheiten, auf gleicher Augenhöhe, KUNST

Als Kunstlehrer:

Mitarbeit im Projekt:

Carnaval de Basura„:

des Künstlers Eduardo Abaroa in Mexico Stadt

Projekt: Carnaval de Basura  – Link

Innerhalb des Projektes Carnaval de Basura:

Projekt:

„Müll meets Maya“

– Objekte der Klasse V /2010/11

Colegio Aleman Alexander von Humboldt /

Xochimilco – Mexico D.F.

mehr über das Projekt – Link